ÜBER UGANDA

Entwicklungsland

Uganda ist eine typische, aus der Kolonialpolitik hervorgegangene Republik in Ostafrika. Hier leben mehr als 40 Völker zusammen, die jeweils ihre eigene Sprache, Kultur und ihr eigenes Brauchtum haben sowie teilweise eine eigene Religion. Es werden insgesamt 43 verschiedene Sprachen gesprochen. Amtssprachen sind Englisch und Swahili, im autonomen Königreich Buganda auch noch Luganda.
Die Flagge zeigt sich schwarz-gelb-rot-gestreift mit einem Kronenkranich im Vordergrund. Dabei steht Schwarz für das Volk in Afrika, Gelb symbolisiert den Sonnenschein über dem Land und Rot drückt die Brüderlichkeit aller Menschen aus.
Staatsoberhaupt des Präsidialsystems ist seit 1986 Präsident Yoweri Kaguta Museveni. Zuletzt wurde er 2016 in seinem Amt bestätigt. Uganda ist Mitglied der Afrikanischen Union, des Commonwealth of Nations, der Organisation der Islamischen Konferenz und der Ostafrikanischen Gemeinschaft. Nach Demokratieindex belegt das Land Platz 96 von 167 untersuchten Staaten.
Uganda belegt nach dem Human Development Index (HDI) Rang 163 von 188 Ländern und wird damit in die Wertungsstufe „niedrigste Entwicklung“ eingeordnet. Der Index bezieht die Faktoren Bruttosozialprodukt pro Kopf, Lebenserwartung und Bildung ein. Uganda gehört also zu den am wenigsten entwickelten Ländern weltweit. Nach dem Bruttoinlandsprodukt steht Uganda sogar nur an Stelle 170. Laut dem Weltbankbericht von 2012 lebten 38% der ugandischen Bevölkerung von weniger als 1,25 US-Dollar täglich. Damit gehört Uganda trotz seines momentanen Wirtschaftswachstums (5,8 % im Jahr 2010) weiterhin auch zu den ärmsten Ländern der Welt.
Von den ca. 36 Millionen Menschen, die in Uganda leben, sind mehr als die Hälfte jünger als 14 Jahre. Der Altersdurchschnitt beträgt 15 Jahre. Ugandas Bevölkerungswachstum (ca. 3,4 %) liegt an 4. Stelle weltweit. Der größte Teil der Bevölkerung lebt in den ländlichen Regionen. Dort leben weiterhin fast 90% ohne Strom und/oder ohne Wasseranschluss. Familien bilden das soziale Netz. Eine Familie besteht oft aus 20 und mehr Personen - bedürftige Verwandte, AIDS-Waisen usw. eingeschlossen.
Mehr als 3/4 der ugandischen Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft. Einseitiger Anbau von Kochbananen, Mais, Bohnen oder Maniok führt zur Auslaugung des Bodens und zur Mangelernährung der Familien.

Situation der Kinder

Uganda ist, bezogen auf seine Bevölkerung, einer der jüngsten Staaten der Welt. 50,9 % der Bevölkerung in Uganda sind unter 14 Jahre alt.
Diese Kinder wachsen mit einer Vielzahl von Problemen auf: Mangelernährung, schlechte hygienische Bedingungen, eingeschränkter Zugang zu sauberem Trinkwasser und mangelnde medizinische Versorgung haben eine hohe Kindersterblichkeitsrate von 6% zur Folge (2014: 60,82Todesfälle/1000 Lebendgeborene). Viele Kleinkinder sterben an Durchfallerkrankungen, Cholera und Typhus, weil eine medizinische Grundversorgung oft nicht möglich ist.
Ein weiteres großes Problem ist die hohe Zahl von HIV-Infizierten, die ca. 7% der Bevölkerung ausmachen. Dies führt zu einer hohen Zahl an AIDS-Waisen.
Die Bildung und damit die Sicherung der Zukunft der Kinder ist eine der wichtigsten Aufgaben, die der Staat zu lösen hat. Diese Aufgabe wird jedoch, durch schlechte Bezahlung der Lehrer, eine schlechte Schulausstattung, weite Wege zur nächsten Schule vernachlässigt. Aber auch die gesellschaftlichen Umstände in den armen Bevölkerungsschichten lassen einen geregelten Schulbesuch oft nicht zu und so liegt die Analphabeten-Quote weiterhin bei über 50%. Besonders betrifft es Mädchen und Frauen, die aufgrund des ugandischen Frauenbildes zusätzlich benachteiligt werden. Bildung ist aber der Schlüssel für ein Leben jenseits von Armut, Not, Abhängigkeit und Gewalt.

Eindrücke aus Uganda im November 2013

von Anne

Schon als kleines Kind wollte ich unbedingt einmal nach Afrika reisen. Damals noch, um die wunderschöne und faszinierende Wildnis mit Elefanten und Löwen zu erleben. Im November 2013 schließlich war es soweit, nunmehr jedoch von dem Wunsch getrieben, meinen Bekannten Andrew Akampurira und seine Familie in Uganda zu besuchen.
Kennengelernt habe ich Andrew 2010 während eines Austauschsemesters an der NTNU Trondheim in Norwegen. Nachdem er sich tollkühn aus dem warmen Afrika in den norwegischen Winter gestürzt hatte lud er nun alle dazu ein, ihn einmal in seinem Heimatland zu besuchen und die afrikanische Gastfreundschaft kenne zu lernen.
Gesagt, getan! In meiner dreiwöchigen Rundreise durch den Süden des Landes habe ich unvergleichlich viele Eindrücke sammeln können und dennoch nur einen kleinen Einblick gewonnen.

Blick auf Kampala

Nach der Landung in Entebbe am Victoriasee fuhren wir zuerst in die Hauptstadt Kampala. Dieser 1,4 Mio. Einwohner-Moloch besticht mit Lärm, Verkehrsstau, Smog, kleinen Läden, die Billigwaren aus China anbieten, unzähligen Ziegelhütten am Horizont, einem Zentrum aus Hochhäusern und Regierungsinstitutionen, Kirchen und der Gaddafi-Moschee. Heimatgefühle bringen die Störche am Himmel, die hier überwintern.

Blick auf Kampala

Transport in Uganda

Ein eigenes Verkehrsmittel besitzt in Uganda fast niemand. Schon ein Fahrrad ist ein außergewöhnlicher Luxus. Trotzdem herrscht auf den schlecht ausgebauten Straßen ein unglaubliches Verkehrschaos. Die Nutzung der angebotenen Transportmittel ist ein Abenteuer für sich. Um ein Reiseziel zu erreichen, gibt es beispielsweise Buslinien, die die Städte miteinander verbinden. Eine weitere Möglichkeit stellt der Transport durch Minibusse, Bodabodas (also Mopeds) und Taxis dar.
Nimmt man sich ein Taxi und erlaubt dem Fahrer, unterwegs noch weitere Fahrgäste einsteigen zu lassen, so findet man sich kurze Zeit später in einem PKW mit 10 oder einem Minibus mit ca. 25 Fahrgästen wieder.
Der beste Weg in Kampala, wie auch im Rest des Landes, Stau zu entfliehen ist die Fahrt auf einem Bodaboda. Hier finden, je nach Bedarf, nicht nur bis zu drei Fahrgäste Platz, sondern auch Reisegepäck, Bananenstauten, Möbel, Matratzen, Hühner und Ziegen sowie sonstige landwirtschaftliche Erzeugnisse, die auf dem Markt verkauft werden sollen.

Transport auf dem Bodaboda

Muzungu

Im Radio- und Fernsehprogramm läuft ununterbrochen Aufklärung über Aids und Frauenrechte. Auffällig ist die große soziale Schere zwischen denen, die Bildung und einen gut bezahlten Arbeitsplatz im Stadtzentrum haben, und den anderen. Hier steht gerne einmal eine Villa hinter Stacheldraht neben einer undichten Ziegelruine, in der eine zwölfköpfige Familie wohnt.
Als Weiße fällt man auf wie ein bunter Hund. Auf dem Land gibt es unzählige, auf den Straßen spielende Kinder, die sofort eine Traube um uns bilden und uns im Chor Muzungu rufen. Muzungu ist ein Begriff aus der Bantu-Sprache, mit dem Weiße und reiche Afrikaner bezeichnet werden. Als Muzungu gilt man als schön, reich und mobil, was zur Folge hat, das man überall den vielfachen Preis zahlen muss. In Ostafrika gilt: Wer viel hat, muss viel bezahlen.

Bei Fort Portal

Zu Besuch bei Andrew in Ibanda

Andrews Heimatstadt Ibanda liegt in der Western Region und hat ca. 31000 Einwohner. Seine Mutter wohnt am Stadtrand in einem kleinen, soliden Haus mit eigenem Solarpanel, einer Bananenplantage und Weideland mit europäischen Kühen. Er hat 5 Geschwister, von denen drei Lehrer sind. Um diesen Bildungsstand zu erreichen betrug ihr Schulweg zur Grundschule zu Fuß zwei Stunden. Andrews Gebühren für die Universität wurden durch ein Stipendium übernommen.
Andrews Familie hat uns herzlich aufgenommen und mit Freude und Stolz die Umgebung gezeigt.

von links: Martin, Andrew, Andrews Schwester mit Kindern, der Hausjung, Pierre, Anne
Zu Besuch bei Andrew in Ibanda

Andrew in seiner Heimatstadt
Andrew in seiner Heimatstadt

Postgebäude in Ibanda
Postgebäude in Ibanda

Bodaboda-Fahrer warten auf Fahrgäste
Bodaboda-Fahrer warten auf Fahrgäste

Mit Andrew und seiner Mama zu Besuch bei Verwandten

Wir besuchten seinen Onkel, der mit seiner Familie nur ca. 2h Autofahrt entfernt von Ibanda wohnt, auf einer Bananenplantage im Nirgendwo. Die Familienmitglieder hatten sich aufgrund dieser Entfernung schon seit 20 Jahren nicht gesehen. Unser Besuch wurde herzlich gefeiert. Es wurde extra eine Ziege geschlachtet und hausgemachtes Bananenbier ausgeschenkt. Natürlich gab es dazu gestampfte Kochbananen, Bohnen und Reis. Auch Andrews Onkel hat sechs Kinder, die er trotz der hohen Kosten alle zur Schule geschickt hat.

Mit Andrew und seiner Mama zu Besuch bei Verwandten

Ein junges Lehrerehepaar aus dem Dorf von Andrews Onkel baut - unterstützt von Andrews Cousin, einem Bauingenieur - auf eigene Faust und mit eigenen Mitteln, eine Schule. Die Kinder dort waren bisher aufgrund weiter Wege von Schulbildung abgeschottet.

Lehrerehepaar

Die Schule
Kinder

Der Markt in Ibanda

Ein Besuch des Marktes in Ibanda macht eines der größten Probleme Ugandas deutlich. Zu kaufen gibt es landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Mais, Bohnen, Bananen, Kartoffeln, Erdnüsse, Tomaten. Auch Fleisch und Tiere sowie Eier und Milch. Jedoch gibt es keine weiterverarbeiteten Produkte wie Mehl, Käse oder Wurst.

Der Markt in Ibanda

Andrews Mama beim Einkaufen auf dem Markt
Andrews Mama beim Einkaufen auf dem Markt

Heuschrecken sind lokal sehr beliebt
Heuschrecken sind lokal sehr beliebt

Wirtschaft

Uganda ist hinsichtlich Klima und Ressourcen ein sehr reiches Land. Es gibt Bodenschätze wie Kobalt, Zink, Gold, Wolfram und landwirtschaftliche Produkte wie Kaffee, Tee, Baumwolle, Tabak, Blumen, Fisch. Leider werden Rohstoffe und landwirtschaftliche Erzeugnisse im „Rohzustand“ und damit sehr günstig exportiert. Die Korruption tut ihr Übriges. Für einfache Menschen ist mangels Bildung und Kapital kein gesellschaftlicher Aufstieg möglich. Einzig in den Bereichen Transport und Tourismus lässt sich Geld verdienen. Der Großteil der Bevölkerung besteht jedoch aus Bauern ohne nennenswerte Schulausbildung. Der Abschluss der 6. Klasse ist unter der Generation 40+ schon sehr selten. Die Regierung sowie private Initiativen versuchen daher, Bildungsprogramme zu Umweltschutz und Familienplanung durch Bilder oder Radioprogramme zu vermitteln.

Werbung für Schutzkleidung
Werbung für Schutzkleidung

Trotz der vielen Probleme, denen die Bevölkerung ausgesetzt ist, bin ich auf meiner Reise vielen zielstrebigen Projekten begegnet. Besuchen konnte ich die MPANGA GROWERS TEA FACTORY LTD. Tee-Plantagenbesitzer der Region um Fort Portal haben sich hier zu zusammengeschlossen und eine Fabrik gebaut, die den eigens angebauten Tee verarbeitet, verpackt und exportiert. Der Vorstand wird demokratisch gewählt, die Abnahme der Teeblätter zu einem festen Preis ist garantiert.

Plantagenbesitzer

Prozessschritte in der Teeproduktion

Gefahr droht der Fabrik durch die Austrocknung des lokalen Sumpfgebietes Kihingami Wetland, das unbedingt für den Wasserkreislauf der Region nötig ist. Dieses wurde aufgrund von Raubbau in den letzten Jahren stark reduziert. Ein Umweltschutzprogramm wurde initiiert, um die Menschen zu hindern, den Sumpf zum Anbau von Agrarprodukten zu nutzen. Leider ist dies nicht erfolgreich, denn der Anbau von Tee auf dem eigenen Ackerland ist lukrativ.
Weitere Industriezweige sind Zement, Möbel und Telekommunikation.

Naturschätze Ugandas

Der Reichtum Ugandas offenbart sich beim Besuch einiger Nationalparks. Das ostafrikanische Land ist grün, sonnenreich und bietet unbeschreiblich schöne Landschaften sowie Wildtiere.

Sonnenaufgang im Queen Elizabeth Nationalpark
Sonnenaufgang im Queen Elizabeth Nationalpark

Kronenkraniche in der Morgendämmerung des Queen Elisabeth Nationalparks
Kronenkraniche in der Morgendämmerung des Queen Elisabeth Nationalparks

Elefanten im Queen Elisabeth Nationalpark
Elefanten im Queen Elisabeth Nationalpark

Elefanten im Queen Elisabeth Nationalpark

Maul eines Nilpferdes im Lake-Mburo-Nationalpark
Maul eines Nilpferdes im Lake-Mburo-Nationalpark

Hügellandschaft bei Kisoro
Hügellandschaft bei Kisoro

Berggorillas im Mgahinga Gorilla Nationalpark - Dank strengem Schutz steigt der Bestand seit wenigen Jahren wieder
Berggorillas

Rwenzori-Mountains
Rwenzori-Mountains